top of page

13. & 14. Tag - Hoch die Hände Wochenende!

  • 11. Sept. 2023
  • 4 Min. Lesezeit

Das Wochenende ist bei uns Lehrern mit vielen Aktivitäten gefüllt: bei mir zum Beispiel mit einer langen morgendlichen Biketour in den Norden der Stadt, wo ich nach zehn Meilen mit John und Mark Wagner in ein kleines Café direkt am Fluss einkehre. Auch wenn die Sonne scheint merkt man, dass der Herbst langsam bevorsteht, da sich die Blätter einiger Bäume schon langsam verfärben. Der morgendliche Kaffee in Kombination mit einem Cinnamon Bun und einem Blueberry Muffin gibt und die nötige Energie, um den Rückweg mit starkem Gegenwind zu schaffen.

Bei unseren Gesprächen während der Woche, aber auch am heutigen Samstag erfahre ich viel über die amerikanische Sichtweise auf ganz unterschiedliche Themen, vor allem kulturellen. Aber auch über die wachsende soziale Schere unterhalten wir uns viel und die bevorstehenden Wahlen in beiden Ländern. Alleine schon diese Einblicke während des Austausches sind unbezahlbar. Nach einer schnellen Dusche nehmen wir unsere gepackten Rucksäcke und fahren mit dem Auto Up North in die Nähe der Stadt Tomahawk, wo Herr Wagners Schwester eine Cabin, das heißt ein kleines Häuschen, direkt am See hat. Um das sonnige Wetter noch so lange wie möglich auszunutzen, schnappen wir uns gleich die Kajaks am Strand und paddeln entlang des Ufers an den vielen Wochenendhäusern der amerikanischen Mittelschicht entlang, die alle einen eigenen Steg und teils sogar mehrere Bootshäuser haben. Hier lässt es sich wirklich aushalten, vor allem, da man handytechnisch hier offline ist und dem Stress der Woche entfliehen kann. Stattdessen gibt es viel Ruhe, Wald und Tiere. Wir sehen einen Waschbären und auf der Fahrt zum Abendessen läuft sogar ein Reh vor unserer Einfahrt aus dem Wald heraus. Das Dinner essen wir in einem typischen Restaurant direkt am Wasser. Wir haben Glück, dass wir noch einen der letzten freien Tische ergattern. Einige der umliegenden Hausbesitzer kommen direkt mit ihren Boten zum Restaurant, wo man die Klassiker der American Cuisine bestellen kann. Burger, Steak, Wings ... mit frisch gemachten American Flat Fries, Coleslaw und viiiiiiiel Ketchup. Da wir von den “kleinen Portionen” definitiv noch nicht satt sind, jedenfalls reden wir uns das ein, laufen wir schräg über die Straße zum Windmill Icecreme Parlor, wo wir uns noch eine Kugel Eis gönnen. Diese Kugel entspricht ungefähr vier bis fünf Kugeln in Deutschland und ist erstaunlich lecker, da sie nicht so süß ist und die Waffel frisch gebacken ist. Der Laden gehört einem ehemaligen Arbeitskollegen von Herrn Wagner, der eine Alternative zum Lehrerdasein gesucht hat. Eine tolle Erfahrung, die mich an den letzten Las Vegas Urlaub erinnert, wo die Kugeln sogar noch etwas gigantischer waren, da sie zusätzlich mit allerlei Toppings bestreut wurden.

Obwohl wir schon einige Tiersichtungen hatten, Bären haben uns bislang noch keine besucht, aber laut Herrn Wagners Schwester sieht sie immer wieder ihre Spuren am Strand vorder Cabin. Deshalb sind wir am Abend etwas schreckhaft, als es am Lagerfeuer hinter uns im Unterholz lauter knackst. Das Bett ruft! Wir hoffen, dass unsere Schüler auch einen so tollen Tag erlebt haben wie wir das durften.

Am heutigen Sonntag werden wir von einer Eichhörnchen 🐿️ Familie geweckt, die scheinbar auf dem Dach unserer Cabin herumtanzt. Obwohl es am vorherigen Abend zu regnen angefangen und Nachts durchgeregnet hatte, empfängt uns der heutige Morgen mit warmen Sonnenstrahlen, die sich auf dem See spiegeln. Da wir noch mehr amerikanische Lebensart kennenlernen wollen, entschließen wir uns in ein Family Restaurant zu fahren, wo wir uns ein anständiges Frühstück gönnen, d.h. riesige Portionen, ständiger Kaffenachschub und ungesunde Speisen wo das Auge hinsieht. Das Diner hat um die Küche herum eine Theke und viele Kleine Tische, an denen viele Leute sitzen - anscheinend auch viele Einheimische, wovon offensichtlich viele die lokalen Köstlichkeiten häufiger zu sich nehmen. Kein Wunder dass in den USA auf häufig die Menschen bigger sind, denn das Frühstück hat wahrscheinlich mehr Kalorien als die empfohlene Tagesdosis und besteht neben einem Riesenomelette, gefüllt mit mehreren Sorten Käse, Zwiebeln und Bacon, auch aus Pommes und zwei fluffigen Pancakes mit whipped butter. Kalorienbombe ist hierfür eher eine Untertreibung. Aber auch das gehört zum American Way of Life dazu. Zurück in der Cabin versuchen wir wenigstens ein klein wenig der Kalorien beim Paddeln abzutrainieren. Auf dem Rückweg besuchen wir noch die Stadt Wausau, wo wir Marks Familie einen Besuch abstatten. Beim Parken fällt uns am Nachbarhaus am Fahnenmast die Fahne mit der Aufschrift “Let’s go Brandon” auf, einer Phrase, die den aktuellen Präsidenten Joe Biden beleidigt. Auch wenn wir das Thema Politik größtenteils umschiffen, uns fallen in vielen Vorgärten Schilder auf, von denen man ableiten kann, welchem politischen Lager die Bewohner anhängen. Das Land scheint nach wie vor in zwei Lager gespalten zu sein und die anstehende Wahl eine Mammutaufgabe.

Auf dem Highway zurück drücken wir auf die Tube, denn die Green Bay Packers spielen ab halb vier ihr Saisoneröffnungsspiel in der NFL. Auch das gehört zur amerikanischen DNA mit dazu: Sport! Da alle Anwesenden den Cheeseheads die Daumen drücken schließe ich mich der Mehrheit an und werde mit einem schnellen und ereignisreichen Spiel belohnt. Anders als beim Fußball – von dem ich schon seit vielen Jahren kein Fan mehr bin – passiert hier auf dem Spielfeld des Kontaktsports Nummer eins gefühlt ständig etwas: First Down, Tackle, Fumble, Flags … Nach jedem Touchdown gibt es High Fives, für Essen und zu Trinken ist natürlich auch gesorgt: Karamellpopcorn und Bier. Am Ende siegen die Packers mit 38 zu 20. Am Abend gibt es dann die erste Pizza die ich hier esse, die ihren Namen auch verdient hat, mit leckerer Salsiccia, Pepperoni und einem dünnen italienischen Teig. Frau Münster und ich freuen uns schon morgen von den Schülern zu erfahren, was sie alles am Wochenende unternommen und erlebt haben. Von einigen haben wir schon Bilder geschickt bekommen was sie alles gekocht und gemacht haben!


Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page