Tag 3 - Ein Tag an den Fällen
Am heutigen Tag dreht sich alles um die Niagara Fälle. Deshalb frühstücken wir etwas früher als gewohnt und fahren mit dem Bus wieder über die Landesgrenze in die USA, um dort unseren Guide Dakota zu treffen, der uns während des Tages mit vielen Infos versorgt, während wir verschiedenste Punkte rund um die Fälle besichtigen. Als Niagarafälle bezeichnet man die Wasserfälle des Niagara River, der den Erie- mit dem Ontario-See verbindet und durch den die Grenze zwischen dem amerikanischen Bundestaat New York und der kanadischen Provinz Ontario verläuft. Die Fälle bestehen aus insgesamt drei beeindruckenden Felsklippen , die durch die beiden Inseln Goat und Luna Island unterteilt sind. Bereits aus der Ferne kann man, obwohl man das Naturwunder noch gar nicht sieht, die Wassermassen herunterstürzen hören. Pro Sekunde rauschen so rund 6.400 Kubikmeter Wasser donnernd bis zu 57 Meter in die Tiefe. Dies variiert jedoch nach Tages- und Nachtzeit, denn beide Seiten (USA & Kanada) nutzen einen Teil des Wassers zur Erzeugung von grüner Energie und leiten dieses dafür um. Der größere Teil der Fälle liegt auf kanadischer Seite mit seinen Horseshoe Falls. Über die American Falls, an denen wir unsere Tagestour beginnen, fließen lediglich zehn Prozent des Wassers des Niagara Rivers. Um den Fällen näher zu kommen besteigen wir ein kleines Boot, mit dem wir direkt an den Fällen entlangfahren und mit voller Breitseite die Gischt der herabstürzenden Wassermassen abbekommen. Spätestens jetzt wird klar, warum vor der Fahrt bereits leichtere Kleidung empfohlen wurde und wir zusätzlich noch Regenponchos zur Verfügung gestellt bekommen haben. So nahe an die Fälle zu kommen ist ein einmaliger Erlebnis, nicht nur auf dem Oberdeck unseres Schiffes Maid of the Mist. Bereits vom Boot aus können wir unseren nächsten Stop sehen: the Cave of the Winds (die Höhle der Winde), die sich direkt auf der Ziegeninsel – hinter dem Vorhang der Bridal Veil Falls (Brautschleierfälle) befindet. Wer auf dem Boot noch nicht genügend Wasser abbekommen hat, dem bietet sich nun die Möglichkeit direkt an den Fällen “duschen” zu gehen und die Wucht der Wassermassen zu spüren. Nach einem kurzen Spaziergang entlang der Kante machen wir unsere Mittagspause bei Boston Pizza, wofür wir wieder nach Kanada einreisen. Am Nachmittag legen wir noch an drei Haltestellen einen Stop ein: zum Beispiel direkt an den Horseshoefällen, wo wir erfahren, dass durchschnittlich zwanzig Touristen jedes Jahr umkommen, weil sie an dieser Stelle unachtsam sind und sich – meist beim Selfies schießen – zu weit über das Geländer lehnen und in die Tiefe stürzen.Jedoch gibt es seit dem 19. Jahrhundert auch immer wieder Personen, die mehr oder weniger freiwillig den Nervenkitzel und den Ruhm erhaschen wollen, den ein Herunterstürzen über die Fälle mit sich bringt. Die Amerikaner nennen diese Menschen: Daredevils. Bereits 1901 ließ sich erstmals ein Mensch von den Wassermassen der Niagarafälle treiben: Annie Taylor. Nachdem ihr Mann früh verstorben war, geriet die Witwe in eine finanzielle Schieflage. Um nicht im Armenhaus zu enden, beschloss sie, sich die Horseshoe Falls auf der kanadischen Seite der Niagarafälle hinunterzustürzen – in einem mit Eisen verstärkten Eichenfass, das sie auf den Namen “Königin des Nebels” taufte und im Innern mit einer Matratze auskleidete. Am 24. Oktober, ihrem 63. Geburtstag, machte sie schließlich Ernst und überlebte den Stunt zusammen mit ihrer Katze. Das erhoffte Geld bescherte ihr das Abenteuer dennoch nicht: ihr Manager betrog sie - so starb die Pionierin 1921 im Armenhaus. Auch die Floral Clock und die Whirlpool-Stromstellen steuern wir noch an, wobei wir beim letzten Stop noch mit einer Gondel direkt über die wilde Stelle fahren können, an die der Fluss Niagara eine 90°-Kurve macht. Am Abend gibt es zahlreiche Möglichkeiten: wir Lehrkräfte besuchen zum Beispiel noch die Attraktion Beyond the Falls, wo man direkt hinter die herabstürzenden Wassermassen der Horseshoe-Falls blicken kann. So geht auch heute erneut ein ereignisreicher Tag zu Ende.
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