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Tag 10 – Shadowing

  • 8. Sept. 2023
  • 2 Min. Lesezeit

Heute verbringen wir alle unseren ersten Schultag, allerdings nicht in unserem gewohnten Umfeld in Deutschland, sondern an der Nicolet Highschool. Dabei begleiten die Schüler ihre Partner in ihrem normalen Schulalltag (engl. shadowing) und bekommen schnell einen Eindruck, worin die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Schulsysteme liegen. Im Vergleich zum Leo gibt es an der Nicolet das Doppelstundenprinzip, so dass die Schüler pro Tag “nur” drei Stunden haben. Auch das Klassenzimmerprinzip unterscheidet sich. Hier in den USA ist es üblich, dass jeder Lehrer seinen eigenen Raum hat und die Schüler dann zu ihrer Lehrkraft kommen. Ein tolles System, da man als Lehrkraft sein Zimmer individuell gestalten kann und nicht beide Seiten auf Wanderschaft gehen müssen, was manchmal aufgrund der verstopften Gänge am Leo schwierig ist. Andererseits ist es aufgrund der langen Gänge und großen Distanzen auch kaum anders zu regeln, denn die Schule ist um einiges größer als das Leo.

Ich entscheide mich heute in der ersten Stunde für eines meiner Fächer: Geschichte. Die Lehrkraft, Mrs Nimmer, lässt mich zusammen mit einem Schüler aus dem Leo bei ihr hospitieren. Danke noch einmal an dieser Stelle. Eine Sache, die uns beiden ins Auge sticht, ist eine Art Adventskalender, der unscheinbar unterhalb der Tafel hängt. Es stellt sich nach Stundenbeginn heraus, dass die Schüler hier ihre Handys deponieren, damit sie während der Stunden nicht abgelenkt werden. Nach der Hälfte der Doppelstunde bekommen alle Schüler dann fünf Minuten Handyzeit. Davon bin ich angetan und werde versuchen es künftig zu adaptieren. Zwar wird auf digitales arbeiten wert gelegt, aber das Handschriftliche steht im Vordergrund und das übergeordnete Ziel: das Hinterfragen und Begründen historischer Sachverhalte. Da sind sich die beiden Lehrpläne einig. Der Weg dahin unterscheidet sich allerdings. In den USA gibt es mehr Phasen des Frontalunterrichts und es wird verbreitet mit dem Konzept des Flipped Classrooms gearbeitet – d.h. dass die Schüler Lese- und Markieraufgaben auf die nächste Sunde aufbekommen und dann gemeinsam über wichtige Aspekte reden. Gerne würde ich mehr davon sehen. Doch dazu bleibt keine Zeit, denn ehe wir uns verschauen, ist die Zeit auch schon rum und ich laufe die langen Gänge entlang, um in die Deutschstunde zu gelangen, in der bereits einige Austauschpartner mit ihren Gästen warten. Mit mehreren Spielen und Partneraktivitäten lernen sich die Deutschen und die “Amis”, wie der amerikanische Organisator des GAP-Programms seine Schützlinge liebevoll nennt, näher kennen. Zudem bekommen sie eine Schulhausführung durch ihre Partner. Der Höhepunkt des Schultages ist sicherlich, dass uns der Superintedent der Nicolet Highschool offiziell begrüßt und herausstellt, dass die Schulpartnerschaft ohne engagierte Kollegen wie Herrn Wagner auf Seiten Nicolets und Frau Münster auf Seiten des Leos nicht möglich wäre. Gerade in Zeiten wie diesen ist eine gewachsene Partnerschaft die nun bereits fünfzig Jahre hält etwas ganz besonderes. In den vergangenen Jahrzehnten sind Freundschaften entstanden, neue Kontakte geknüpft worden und trotz Unterschieden und Missverständnissen ein starkes Band entstanden. Typisch amerkanisch stoßen wir auf unser Jubiläum mit Donuts in den verschiedensten Geschmacksrichtungen an und trinken Orangensaft. Mit einem gemeinsamen Gruppenbild geht der erste Schultag dann auch zu Ende.


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