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Tag 6 - Bei den Amish in Shipshewana

3. Sept. 2023
3 Min. Lesezeit

Business as usual am Morgen. Wir frühstücken zusammen in unserem Hotel in Goshen und machen uns kurz nach acht Uhr auf in die Kleinstadt Shipshewana in LaGrange County, Indiana. Die Stadt gilt als Zentrum der Amish im Staat, die ringsum leben und arbeiten. Die rund 45 minütige Fahrt dorthin ist bislang - jedenfalls für mich persönlich - die Schönste der Reise. Die Gegend als malerisch schön und geprägt von sanften Hügeln, saftig grünen Wiesen und Bäumen und kleinen Bauernhöfen, die links und rechts der Straße stehen. Man sieht keinerlei Müll an Straßenrand liegen, stattdessen sehr gepflegte Vorgärten, weite Ackerflächen und die Straßen haben neben zwei Spuren auf jeder Seite noch eine Art Seitenstreifen, der für die Pferdekutschen der Amish dient. Da die Sonne auf die noch nassen Wiesen scheint steigt Feuchtigkeit auf, was teils wie in einem kitschigen Film aussieht. Schon bald darauf sehen wir neben den Kutschen auch einige Radfahrer. Ein Bild, das wir auf unserer bisherigen Reise nicht gewohnt waren. Unser erster Stop des Tages ist abseits der Teerstraße, wo wir am Haus der Familie Miller halten und uns bereits ein älterer Herr mit weißem Bart, Arbeitshose, Hemd und Hut erwartet.

Orley, ein echter Amish, führt uns heute durch seine Gegend, die viele tolle Einblicke bereit hält, die definitiv keine Touristops sind. Zum Beispiel bei Steve Lemmerich beziehungsweise Lemright, der eine Kutschenmanufaktur hat. Wir erfahren von ihm, dass seine Vorfahren im späten neunzehnten Jahrhundert in die Gegend ausgewandert sind und er das Business als Nebenerwerb führt. Viele Amish, Mennoniten und Hutterer die hier wohnen arbeiten in der RV Produktion, wo sie gutes Geld verdienen. Wir dürfen Steve über die Schulter schauen und sogar selbst in seine private Kutsche steigen, die mit USB, kleinen Ventilatoren und Blinkern ausgestattet ist. Ziemlich komfortabel, damit hätten wir nicht gerechnet.

Nur wenige Fahrminuten weiter besuchen wir eine kleine Schreinerei, in der wir eine Führung bekommen und mit dessen Besitzer wir uns länger unterhalten. Es stellt sich heraus, dass er selbst auch deutsche Vorfahren hat und sogar das meiste vom Gesagten versteht. Im angrenzenden Shop kaufen wir viele schöne kleine Souvenirs.

Danach fahren wir auf eine Farm, die selbst angebautes Gemüse auf Schildern anpreist und auf der handgewebte Teppiche angeboten werden. Der Webstuhl hierfür stammt aus einer anderen Zeit. Die Frau des Hauses lässt uns sogar in ihr Haus schauen, zeigt uns viele alte deutsche Bücher und erzählt uns über ihr Leben und ihre Familie. Zur Stärkung bekommen wir selbstgemachte Zitronenlimonade und selbst gebackene Kekse. Lecker! Last but not least essen wir bei Orleys Tochter zu Mittag. Kartoffelstampf, Bohnen, Nudeln, Gravy, BBQ Fleischbällchen und Hähnchen. Das Essen schmeckt super und ist mit Liebe gekocht. Das schmeckt man auch. Es stellt sich heraus, dass Orley und seine Frau dreizehn Kinder haben und 61 Enkel, keine Seltenheit bei den Amish. Das heißt auch, dass die Zahl der Amish stetig wächst. Ihre Waren kaufen sie meist in Shipshewana ein, wo wir am frühen Nachmittag halten und wieder Gelegenheit zum Shoppen haben. Hier bekommt man alles, was man für den Farmalltag braucht. Vom Draht bis hin zum Cowboyhut oder Plätzchenausstecher. Vor den Läden findet man nicht nur normale Parkplätze, sondern auch Parkplätze für Kutschen. Zuvor lernen wir aber noch mehr über die Amish, Mennoniten und Hutterer, die gemeinsam ein Museum betreiben und deren Wurzeln in Österreich, Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden zu finden sind.

Am Abend essen wir gemeinsam mexikanische Tacos und Flan bzw. Churros. Das Beste daran ist, dass wir nicht, wie sonst immer, direkt vor die Türe gefahren werden, sondern die fünfzehn Minuten Weg zu Fuß laufen können. Das ist eine willkommene Abwechslung!


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