Tag 9 – Schulanfang für die einen, Downtown Milwaukee für die anderen
Schulanfang ... jedenfalls hier in Glendale an der Nicolet Highschool. Die Tradition will es so, dass zum Schuljahresbeginn am Haupteingang ein langer roter Teppich ausgelegt wird, an dessen Seiten sich die Lehrer der Schule aufgestellt haben und den Schülern applaudieren. Im Hintergrund spielen mehrere Musiker live. Nicht nur der Schulfotograf ist aktiv und hält den Tag für das Yearbook fest, ein ganzes Fernsehteam ist angerückt und interviewt den Schulleiter. Während zunächst nur wenige der gut 1100 Schüler eintrudeln, da sie von den Eltern gebracht werden, wird es zehn Minuten vor dem Schulgong immer voller, da nun zahlreiche typisch gelbe amerikanische Schulbusse eintreffen. Es ist fast ein bisschen wie in einem typishen Highschool-Film.
Nicolet, das sieht man auf den ersten Blick, ist eine sportliche Highschool mit ausgezeichneten Sportstätten. Zahlreiche Tennisplätze, ein nagelneues American Football und Fußball Stadion sowie eine riesige Turnhalle sieht man schon von weitem. Das ist beeindruckend, den es führt einem vor Augen welch großen Stellenwert Sport einnimmt! Die Schule wird gerade einem Make-Over unterzogen und von Grund auf erneuert. Dafür werden hier gerade 77 Millionen US-Dollar investiert, um den Schülern des Districts den best möglichen Unterricht zu ermöglichen. Professioneller IT-Support für Lehrer, Macbooks und sogar ein ganzes Filmstudio zählen hier zur Grundausstattung, ebeso wie ein großer Konzertsaal, schuleigene Busse …
Doch wir bleiben heute nur wenige Minuten an der Schule und machen uns stattdessen auf Richtung Bayshore, wo wir den Bus der Green Line in Richtung Stadtzentrum nehmen. Die gut halbstündige Busfahrt bringt uns durch unterschiedliche Vororte der Stadt mit schicken amerikanischen Einfamilienhäusern und den typischen zweistöckigen Holzhäuser aus dem 19. Jahrhundert, die mit einer kleinen Veranda und dem typischen kleinen Treppenaufgang jedem bekannt sind, der schon einmal eine amerikanische Sitcome gesehen hat. An der Haltestelle Water and Juneau steigen wir aus und laufen Richtung Fiserv Center, der Halle des NBA Teams der Milwaukee Bucks, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft unser Startpunkt für die Stadtführung wartet: die Turner Hall, in der sich die deutschen Einwanderer ab den 1840er Jahren regelmäßig trafen, um nach Turnvater Jahns Regeln zu sporteln und sich auszutauschen. In der Nachbarschaft haben die Deutschen ebenfalls ihre Spuren hinterlassen, was man an den vielen deutschen Namen an den Hausfassaden sofort sieht. Bis zum heutigen Tag existiert zum Beispiel die Metzgerei Usinger, die lustige Zwergbilder unter dem Dach angebracht hat, schräg gegenüber ist eine Gaststätte, die eine Mischung aus Fachwerkhaus und Burg darstellt. Direkt daneben wiederum ein kleines Hofbräuhaus. Die zwei prominentesten deutschen Familien heißen Pabst und Pfister, die in Milwaukee die Bier brauten und u.a. ins Hotelbusiness eingestiegen sind. Eines der Gebäude auf unserer Stadttour heißt Germania; dessen Turmspitzen erinnern an preußische Pickelhauben. In Milwaukee haben bis heute rund fünfzig Prozent der Einwohner Deutsche Wurzeln, so dass sich einige deutsche Traditionen bis heute gehalten haben, wie zum Beispiel dass deutsche Oktoberfest, das in wenigen Tagen beginnt.
Bevor wir uns wieder auf den Rückweg nach Bayshore machen besuchen wir noch das Art Museum, das durch seine innovative Architektur einem Segelschiff ähnelt und besuchen ein hippes Quartier mit neu renovierten Häusern, in denen schöne, hippe Geschäfte und Restarants eingezogen sind und ein Food Market, in dem einige von uns auch zu Mittag essen. Danach fahren wir wieder gemeinsam zurück nach Glendale.
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